Einzigartig in der Geschichte der Menschheit: der Versuch, eine Insel auszuradieren
Waren es wirklich die Gefahren, die von dieser Insel noch ausgehen konnten, obwohl sich diese bereits seit dem 11. Mai 1945 fest in britischer Hand befand? Aus strategischer Sicht machte diese aufwendig angelegte Vernichtung keinen Sinn. Wenn man tatsächlich Angst hatte vor einem Wiedererstarken Deutschlands, dann hätte sich dieser fast uneinnehmbare und bereits ausgebaute Hochsee-Stützpunkt viel eher als Druckmittel der Alliierten geeignet, Deutschland langfristig im Zaum zu halten.
Ging es darum, so wie hier in diesem aktuellen Beitrag von „die Welt“ behauptet, ein Zeichen gegen den Faschismus zu setzen? Wenn ja, warum wütete man nach der erfolglosen Vernichtung (also nach dem 18. April 1947), noch 5 Jahre lange Jahre weiter?
Selbst nach dem erfolglosen „Blow-Up“ blieb Helgoland und sein Umland noch lange militärisches Sperrgebiet, Bombenabwurfplatz und Deponie für militärischen Sondermüll. Beispielsweise wurden 1949 im „Helgoländer Loch“, etwa 2,5 Seemeilen (ca. 4,6 km) südlich von Helgoland, Granaten mit bis zu zehn Tonnen Tabun versenkt, rund 90 Tonnen Giftgasgranaten (Quelle)!
7 Jahre Verwüstung zur Bunker- und Munitionsvernichtung
„Am 18. April 1947 zerstörten die Briten mit der bis 1985 größten nicht nuklearen Sprengung der Geschichte die militärischen Bunkeranlagen der Insel.“
Brian Buttler, ein britischer Soldat und Zeitzeuge, der in einer Sicherungseinheit tätig war, beteuerte auf NDR (Quelle):
Leider deckt sich diese Aussage nicht mit der damaligen Militärführung (Quelle).„Wir wollten die Insel nicht zerstören.“
„In einem ‚Big Bang‘ sollte die ganze Insel untergehen.“
Dass dies das erklärte Ziel war, darüber wurde auch die inzwischen evakuierte helgoländer Zivilbevölkerung in Kenntnis gesetzt. Sie verfolgen von ihren Zufluchtsorten aus die Vorgänge in ihrer Heimat genau (besonders den Blow-Up der Insel 1947) und hofften aus tiefstem Herzen auf ein großes Wunder; sie hofften, dass die Insel standhielt.„Die britischen Soldaten, die am 11. Mai 1945 auf dem roten Felsen landeten, kamen nicht, um zu bleiben, sondern um zu zerstören.“
Teile der Bunkeranlagen sind übrigens voll intakt. Man kann sich sogar noch auf eine Tour durch sie begeben. Diese Bunker-Rundführung wird von dem Museum auf Helgoland angeboten (Quelle), welches, ironischerweise, seinen Besuchern ebenfalls vermittelt, dass lediglich die Zerstörung der Bunkeranlagen das erklärte Ziel von „Big Bang“ war.
Ein Jubelschrei bricht aus! Helgoland lebt!
„Man sah deutlich riesige Stichflammen nach allen Richtungen hervorbrechen, dann verschwand die Insel in einer den ganzen Horizont bedeckenden Rauch- und Staubwolke, aus der ein Rauchpilz von etwa 4000 m Höhe hervorschoss. Jedermann ging davon aus, dass von der Insel nichts mehr übrig geblieben sein konnte. Jedoch nach etwa 20 Minuten verzog sich der Qualm, und deutlich kam die Lange Anna in Sicht, nach und nach die ganze Insel. Allgemeines Jubelgeschrei.“
Im Jahr 2017, genau 70 Jahren nach „Big Bang“ widmete sich mit genau diesen Worten „der Spiegel“ dem Thema „Hell-Go-Land“ (Quelle).„Der rote Felsen hatte der Großexplosion getrotzt. Zwar war die Südspitze im Meer versunken, die Nordspitze zusammengefallen, metertiefe Bombentrichter entstanden. Doch die Inselform blieb weitgehend erhalten – der poröse Sandstein hatte den gewaltigen Druck abgepuffert.“
Auch der Spiegel gibt vor, dass es sehr wohl um die Vernichtung der Insel ging und nicht um die Bunker oder die Kriegsmunition. Dass für die Helgoländer der Krieg nach 1945 nicht enden sollte, stieß auf großes Unverständnis in der Bevölkerung.
Eigentlich wäre Helgoland schon lange Geschichte. „Eine Insel im Wandel“? Wäre nicht der Titel „Eine Insel, die es gar nicht mehr geben sollte“ treffender gewesen? In dieser Broschüre, die überall im Kreis Pinneberg ausgelegt wird (diese stammt von der Dorfbäckerei im Nachbarort), geht es um Vorträge und Ausstellungen rund um das Thema Helgoland. Der menschengemachte Klimawandel steht im Fokus, daher wohl auch der gewählte Titel. Wird in einem der Veranstaltungen die Machenschaften von 1945-1952 aufgearbeitet? Fehlanzeige.
Die Helgoländer Ohlsen und Krüss: Es ging nicht um Entmilitarisierung!
„No more Heligolands“, Admiral ‘Jackie’ Fisher had vowed before the First World War. A generation later, his vow was to be realised.“